Wir alle streben nach Perfektion – sei es im Beruf, in unseren Beziehungen oder in der Art, wie wir unser Leben gestalten. Fehler, Unsicherheiten oder Unvollkommenheiten empfinden wir oft als störend oder sogar als Scheitern. Doch was, wenn genau diese Unperfektheit ein entscheidender Schlüssel zu Wachstum, Kreativität und Verbindung ist?
Perfektion als Illusion
Aus systemischer Sicht ist Perfektion ein Konstrukt – eine Idee, die sich aus gesellschaftlichen Normen, eigenen Erwartungen und äußeren Einflüssen zusammensetzt. Doch Systeme, ob Teams, Organisationen oder Familien, sind lebendige Gefüge. Sie funktionieren nicht durch starre Perfektion, sondern durch Anpassung, durch Lernprozesse und durch die Fähigkeit, mit Unvorhergesehenem umzugehen.
Unperfektheit als Ressource
Ein zentraler Gedanke in der systemischen Arbeit ist, dass jedes Problem auch eine Lösung in sich trägt. Fehler sind nicht nur Stolpersteine, sondern auch Wegweiser. Wenn wir Unperfektheit als natürliche und notwendige Eigenschaft von Systemen begreifen, können wir mit ihr arbeiten, statt gegen sie anzukämpfen. Gerade in der Organisationsentwicklung oder in der Beratung zeigt sich: Die spannendsten Entwicklungen entstehen oft dort, wo etwas nicht nach Plan läuft.
Verbindung durch Echtheit
Wer sich erlaubt, unperfekt zu sein, schafft Raum für echte Begegnung. Perfektion kann Distanz schaffen, weil sie eine Art Fassade errichtet. Unperfektheit dagegen ermöglicht Authentizität. In einem Team etwa ist es die Offenheit über Fehler, die Vertrauen fördert. In Beziehungen entsteht Nähe oft dann, wenn wir unsere Verwundbarkeit zeigen. Und im Coaching-Prozess ist es gerade das gemeinsame Erkunden des Nicht-Wissens, das neue Perspektiven eröffnet.
Ein Perspektivwechsel
Statt Unperfektheit als Defizit zu sehen, können wir sie als Einladung betrachten:
- Zur Entwicklung, weil jedes Ungleichgewicht ein Anstoß für Veränderung ist.
- Zur Kreativität, weil Neues oft aus dem Unerwarteten entsteht.
- Zur Verbindung, weil Authentizität Vertrauen schafft.
Perfektion mag attraktiv erscheinen, doch das Leben – und auch die Arbeit mit Menschen und Systemen – funktioniert organisch, nicht mechanisch. Vielleicht liegt der wahre Wert also darin, das Unperfekte nicht nur zu akzeptieren, sondern als wertvolle Quelle für Entwicklung zu nutzen.
Wie gehen Sie mit Unperfektheit um? Ich freue mich über ihre Gedanken dazu!


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